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Lustgarten

Vom Gemüsegarten zum Kundgebungsort

Der Kurfürst Johann Georg ließ 1573 einen Nutz- und Gemüsegarten, den sogenannten Lustgarten, als Teil des Vorplatzes des Berliner Stadtschlosses anlegen. Im 20. Jahrhundert wandelte sich seine Funktion zum politischen Agitationsort. Seine zentrale Lage machte den Lustgarten in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus zum häufig genutzten Kundgebungsort.

"Wer den Lustgarten zu füllen vermochte, hatte die Massen hinter sich."
Der Kunsthistoriker Markus Jager über die Bedeutung des Lustgartens als Kundgebungsort

„Noch ein letztes Mal wurde von uns öffentlich Kampfbereitschaft demonstriert...“

Horst Ehlert (1917-2003) erinnert sich 1992 an eine der letzten Protestveranstaltungen im Lustgarten am 19. Februar 1933.

Eingesprochener Text aus: Hans-Rainer Sandvoß: Die „andere“ Reichshauptstadt. Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin von 1933 bis 1945, Berlin 2007, S. 57.

Öffentliche Auftritte der Gewerkschaften fanden im Lustgarten bei Aufmärschen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt. Dieser von der SPD, der Deutschen Zentrumspartei und einzelnen Gewerkschaften gegründete Wehrverband verteidigte die demokratischen Werte der Weimarer Republik.

Kundgebung des Reichsbanners

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold feierte 1929 zehn Jahre Reichsverfassung

Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung

Nach der Gründung der rechtsextremen Harzburger Front schlossen sich Ende 1931 in Berlin das Reichsbanner, der sozialdemokratische Arbeiterturn- und Sportverbund sowie weitere gewerkschaftliche Organisationen zur Eisernen Front zusammen. Gegen einen militärischen Widerstand sprach jedoch der Legitimationskurs der Gewerkschaftsführung, sodass sich die Kampfbünde nach der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 faktisch selbst auflösten.

Ab März 1932 nutzten die Nationalsozialisten den Lustgarten zunehmend für ihre Propagandazwecke. Entsprechend ihrer Pläne zur Umgestaltung Berlins, asphaltierten und verbreiterten sie zudem den Platz. Wie auf dem Tempelhofer Feld richteten die Nationalsozialisten im Lustgarten Großveranstaltungen zum 1. Mai 1933 aus.

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„Nationaler Feiertag des deutschen Volkes“ im Lustgarten am 1. Mai 1936 Bild vergrößern
BArch, Bild B 145 Bild P022065

„Nationaler Feiertag des deutschen Volkes“ im Lustgarten am 1. Mai 1936

Eiserne Front 1932 im Lustgarten Bild vergrößern
Quelle: akg-images

Demonstration der Eisernen Front. Auf der Fahne wird das Hakenkreuz der Nationalsozialisten durch das Emblem der Eisernen Front durchstoßen.

Eisernes Buch Bild vergrößern
Quelle: Archiv der sozialen Demokratie/ Friedrich-Ebert-Stiftung

Das Eiserne Buch. Hier waren alle Mitglieder der Eisernen Front verzeichnet.

Nationalsozialistische Propaganda

Der "Feiertag der nationalen Arbeit" am 1. Mai 1933 im Lustgarten

Quelle: Transit Film GmbH
Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933