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Berliner Gewerkschaftshaus am Engelufer

Die „rote Burg“ fällt

Deutsches Historisches Museum

Die SA besetzt das Berliner Gewerkschaftshaus am Engelufer am 2. Mai 1933

Nicht erst im Mai griffen nationalsozialistische Gruppen das Berliner Gewerkschaftshaus der Freien Gewerkschaften an. Vor der endgültigen Besetzung durch die SA am 2. Mai 1933 wurde das Haus bereits im Februar verwüstet. Ähnlich erging es reichsweit vielen gewerkschaftlichen Einrichtungen: Nationalsozialisten überfielen bis Mitte März mindesten 20 gewerkschaftliche Institutionen.
Das erste für Gewerkschaftszwecke errichtete Haus Deutschlands war seit 1900 zentraler Ort gewerkschaftlicher Organisation in Berlin, was ihm den Namen „Rathaus" einbrachte. „Rote Burg" wurde es wegen seiner Fassade und der Nähe zur Sozialdemokratischen Bewegung genannt. Neben Gewerkschaftsarbeit fand hier auch Parteipolitik wie SPD-Parteitage statt.
Darüber hinaus erfüllte das Haus viele Funktionen: Es gab Büros und Wohnungen für die Funktionäre und Funktionärinnen aber auch Betten für wandernde Arbeiter und Arbeiterinnen.

"Als das Gebäude am 2. Mai 1933 von der SA besetzt wurde, trieb man uns hinten im Hof zusammen, nach vorne hätte es wohl zu viele Zeugen gegeben."
Erich Pickert über die Besetzung des Gewerkschaftshauses am Engelufer

Erinnerungen von Erich Pickert

Erich Pickert (1900-1984) erinnert sich 1983 an die Besetzung des Gewerkschaftshauses am Engelufer

Eingesprochener Text aus: Hans-Rainer Sandvoß, Widerstand in Mitte und Tiergarten (Schriftenreihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Bd. 8), Berlin 1994 S. 28.

Die Verwüstungen durch die SA im Februar dokumentierte der Fotograf Otto Hagemann für eine Beschwerde bei Reichspräsident Hindenburg. De facto war diese zu diesem Zeitpunkt bereits gegenstandslos. Die SA stürmte das Haus am 2. Mai erneut und nahm Gewerkschaftsmitarbeiter wie Erich Pickert fest.
Nach der Besetzung war das Gewerkschaftshaus zuerst SA-Kaserne, dann Sitz der Deutschen Arbeitsfront, die es „Haus der Deutschen Arbeit" nannte.
Im Zuge der Besetzung vom 2. Mai wurde auch das Grab von Leo Arons, jüdischer Physiker, Sozialdemokrat und Hauptfinanzier beim Bau des Hauses, zerstört. Wo genau das Grab lag, kann nicht rekonstruiert werden. Heute ist die „Rote Burg" ein privates Wohnhaus.

"Dann mußte ich für zwei Tage in Haft ins als provisorisches Gefängnis umfunktionierte ehemalige Antikriegsmuseum (Parochialstraße). Dort wurden mir u.a. so viele Haare ausgerissen, dass nur wenige übrig blieben: Ein Büschel in Hakenkreuzform."
Paul Ibscher über seine Haft in der Parochialstraße

Erinnerungen von Paul Ibscher

Paul Ibscher erinnert sich 1983 an die Besetzung des Gewerkschaftshauses am Engelufer

Eingesprochener Text aus: Hans-Rainer Sandvoß, Widerstand in Mitte und Tiergarten (Schriftenreihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Bd. 8), Berlin 1994 S. 28.
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Gewerkschaftshaus am Engelufer Bild vergrößern
Quelle: Landesarchiv Berlin

Der Fotograf Otto Hagemann dokumentierte die Zerstörungen durch die SA 1933

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Quelle: Landesarchiv Berlin

Der Fotograf Otto Hagemann dokumentierte die Zerstörungen durch die SA 1933

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Quelle: Paul Glaser Pressefoto

Paul Ibschers Mitgliedsbuch der Gewerkschaft nach 1933

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Quelle: Beeck100/ wikipedia

Das Berliner Gewerkschaftshaus 2012, heute am Engeldamm 62-65

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933