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Der Turnverein „Fichte“ Berlin

Vielfältiges im Alltag des Arbeitersports

Turnverein „Fichte“
Quelle: Fotosammlung Sportmuseum Berlin

Auf dem Fichteplatz am Baumschulenweg um 1910

Der Arbeiterturnverein „Fichte“ wurde am 5. August 1890 von Berliner Arbeitern gegründet. Als Namenspatron wählte man den Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Dank seiner breiten Angebotspalette avancierte „Fichte“ zum größten deutschen Arbeitersportverein: Waren es 1900 knapp 1.200 Mitglieder, hatte „Fichte“ 1913 fast 3.000 Mitglieder. 1914 waren bereits 48 Sport-Abteilungen über ganz Berlin verteilt. 1927 gliederte sich der Verein, dem mittlerweile über 8.400 Sportler und Sportlerinnen angehörten, in sechs Sparten: Neben Turnen wurden auch Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Rudern und Wandern angeboten; Handball, Hockey, Tennis und Gymnastik waren beigeordnet. Auf dem Haupt-Vereinsturnplatz an der Köpenicker Landstraße stand die „Fichte-Diele“, Vereinsheim und Veranstaltungsort für Tagungen, Tanzvergnügungen und Kreistage.

Ein Sonntag im Arbeitersportverein „Fichte“

Otto Giese erinnert sich an einen Sonntag mit dem Arbeitersportverein „Fichte“. Er berichtet von einem vergnüglichen Ausflug am Morgen und dem Vorturnen für Gäste am Nachmittag.

Eingesprochener Text aus Glatzer: Berliner Leben 1914-1918. Berlin, 1986, S. 709-711.
Turnverein „Fichte“
Quelle: Fotosammlung Sportmuseum Berlin

Sportfest des ASV-„Fichte“ am 5. Juni 1932 auf dem Fichteplatz

Auch abseits des Sports bot „Fichte“ seinen Mitgliedern mit Bildungsabenden und Wanderfahrten ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Ziel war es, ein ganzheitliches Arbeitermilieu zu erschaffen, das bereits Jugendliche integrierte und alle Mitglieder ideologisch schulte. Darüber hinaus unterhielt der Verein mit „Fichte-Konsum“ sogar ein eigenes Sportgeschäft.

Als Herzstück des Berliner Arbeitersports stand der kommunistisch geführte „Fichte“ auch im Epizentrum der politischen Konflikte. 1920 spaltete sich zunächst die sozialdemokratische Freie Turnerschaft Groß-Berlin ab, 1928/29 kam es zur endgültigen Trennung in zwei ideologische Lager. Die jeweiligen Dachverbände, die SPD-nahe Zentralkommission und die der KPD-Politik folgende Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit, genannt Rotsport, standen sich bis zur ihrer Zerschlagung durch die Nationalsozialisten unversöhnlich gegenüber.

Nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 besetzte die Berliner Polizei die Rotsport-Büros in der Münzstraße und verhaftete führende Funktionäre. Im März wurde der Vereinsbesitz von „Fichte“ zerstört und das Vereinsgelände ohne Gerichtsbeschluss beschlagnahmt. Einzelne „Fichte“-Abteilungen schleusten sich daraufhin in bürgerliche Vereine ein. Formal aufgelöst und verboten wurde „Fichte“ im Dezember 1935.

Turnverein „Fichte“
Quelle: Fotosammlung Sportmuseum Berlin

Anpaddeln Faltbootsparte am 29. April als Demonstration gegen das Protestverbot am 1. Mai

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933