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Freie Turnerschaft Groß-Berlin

Der Arbeitersport wird politisch

In Berlin wirkten sich ideologische Konflikte innerhalb der Arbeiterbewegung bereits früh auf den Sport aus. Nachdem die Generalversammlung des führenden Arbeitersportvereins „Fichte“ im Februar 1919 beschlossen hatte, nur noch Mitglieder der USPD oder der KPD in den Vorstand aufzunehmen, traten einige sozialdemokratisch gesinnte Sportler aus dem Verein aus. Sie schlossen sich im November 1920 mit der Freien Turnerschaft Schöneberg zur Freien Turnerschaft Groß-Berlin (FTGB) zusammen.

Freude über die erfolgreiche Entwicklung der Arbeitersportbewegung

1927 spricht Walter Maschke als Berliner Jugendsekretär des ADGB über die Rolle des Sports für die Arbeiterschaft und die Gewerkschaften.

Eingesprochener Text aus: Walter Maschke (Berliner Jugendsekretär des ADGB). Arbeiter und Leibesübungen, in: Deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene (Hg.): Arbeit und Sport, Beiheft 21, Berlin 1931.
"Im Turnverein also genau wie in der Kommunistischen Partei „wer nicht pariert, fliegt“. Arbeitersportler, die ihr noch eine eigene Meinung habt, könnt Ihr es mit Eurer Ehre vereinbaren, weiter dem Sportverein „Fichte“ anzugehören?"
Der Vorwärts kritisiert am 25.8.1925 die politische Ausrichtung des Sportvereins „Fichte“ und ruft zum Austritt auf

Gegen den Widerstand von „Fichte“ wurde die FTGB in den gleichfalls sozialdemokratisch geführten Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) aufgenommen und entwickelte sich rasch zum Gegenspieler des kommunistisch geprägten „Fichte“. 1927 zählte die FTGB 3.494 Mitglieder und war damit bereits halb so groß wie „Fichte“. Ebenso wie der Konkurrent bemühte sich die FTGB, auf die Freizeitbedürfnisse ihrer Mitglieder einzugehen, veranstaltete beispielsweise Vortragsreihen und unterhielt eine eigene Geschäftsstelle in der Lichtenberger Straße.

FTGB
Quelle: Jens Krause, Ostharzantik

Zum Jubiläumssportfest 1929 wurde für die Mitglieder der Freien Turnerschaft dieser Pin ausgegeben.

Die endgültige und unversöhnliche Trennung vollzog sich 1928/29. Unter Führung der FTGB gründete sich ein neues sozialdemokratisches Arbeitersportkartell, das von der gleichgesinnten Zentralkommission aufgenommen wurde. Die alte kommunistische Interessensgemeinschaft schloss sich dem KG Rotsport, dem KPD-nahen Dachverband an. Repressalien der Behörden richteten sich zunächst gegen die kommunistischen Arbeitersportlerinnen und -sportler, fokussierten seit Ende 1931 aber verstärkt auf die sozialdemokratisch gesinnten Vereine. Als die Berliner Arbeitersportkartelle 1933 zerschlagen wurden, wechselten einige Mitglieder, wie beispielsweise der Neuköllner Ringer Werner Seelenbinder, in legale Sportvereine und arbeiteten verdeckt für den Widerstand.

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933