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Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker

„Voll guten Geists und von schöner Gestalt“

Die Gewerkschaften vertraten nicht nur die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder, sie wollten auch deren Stellung in der Gesellschaft verbessern. Eine Zeitung wie der „Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer“ versorgte die Gewerkschaftsmitglieder neben Informationen zum Berufsalltag auch mit politischen Beiträgen. Diese Zeitung hatte einen Umfang von 6 bis 8 Seiten und erschien zweimal wöchentlich, erst in Leipzig, seit 1926 in Berlin. Stellvertretend für viele andere Gewerkschaftszeitungen lässt sich aus dem Korrespondenten das Klima der Zeit ablesen. Schon in der letzten Ausgabe des Jahres 1932 schwang ein Gefühl des kommenden Unheils bei gleichzeitigem Kampfesmut mit.

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Quelle: Archiv der sozialen Demokratie/ Friedrich-Ebert-Stiftung

Der „Korrespondent“ 1926

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Quelle: Archiv der sozialen Demokratie/ Friedrich-Ebert-Stiftung

Letzte Ausgabe des „Korrespondenten“ des Jahres 1932

Ein weiteres herausragendes Beispiel für die gewerkschaftlichen Bildungsbemühungen ist die Arbeit der Büchergilde Gutenberg. Sie war Teil des Buchdruckerverbands, der Gewerkschaft der Buchdrucker und Schriftsetzer.

Die Büchergilde formulierte 1924 den Anspruch, „Bücher voll guten Geists und von schöner Gestalt“ zu produzieren, wie es im Geleitwort der ersten Ausgabe heißt. Ihren Sitz hatte sie bei ihrer Gründung 1924 in Leipzig, 1926 zog sie nach Berlin in das neu gebaute Buchdruckerhaus in der damaligen Dreibundstraße.

Erinnerungen von Helmut Dreßler

Helmut Dreßler erinnert sich 1947 an die Absichten der Büchergilde bei der Gründung im Jahr 1924.

Eingesprochener Text aus: Helmut Dreßler, Selbstverständnis der Büchergilde, Rückblick von Helmut Dreßler, aus: Werden und Wirken der Büchergilde, Zürich 1947, S.48.
"Diese Buchkultur soll ihren Daseinszweck nicht darin erblicken, einzelne auserlesene Prunkstücke für Liebhaber zu erzeugen, sondern vom schaffenden Volk ausgehend sollen sie für das schaffende Volk vorbildliche Werte hervorbringen und die solide Tradition Gutenberg'scher Kunst wieder aufnehmen."
Helmut Dreßler

Die Büchergilde entwickelte sich zur drittgrößten Buchgemeinschaft in der Weimarer Republik und konkurrierte mit kommerziellen Bücherclubs. Dagegen stand hinter der Arbeit der Büchergilde keine Gewinnabsicht. Für große Teile der Gesellschaft, die bis dahin keinen Zugang zu kultureller Bildung hatten, waren die Ausgaben der Büchergilde daher attraktiv. Zum Programm gehörten sowohl zeitgenössische Literatur, als auch Klassiker. So fanden sich neben Romanen von Arnold Zweig und Jack London auch Gesamtausgaben von Dostojewski und Goethe.

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Quelle: Büchergilde Gutenberg

Beispiel für die Buchgestaltung der Büchergilde aus dem Jahr 1928

Werbung für die „Büchergilde Gutenberg“ Bild vergrößern
Quelle: Archiv der sozialen Demokratie/ Friedrich-Ebert-Stiftung

Werbung für die „Büchergilde Gutenberg“ (undatiert)

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Quelle: Büchergilde Gutenberg

Ausgabe der gleichgeschalteten Büchergilde aus dem Jahr 1940

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Quelle: Büchergilde Gutenberg

Liste verbotener Bücher (undatiert)

1933 wurde dieser Teil gewerkschaftlicher Arbeit beendet. Die Nationalsozialisten verhafteten den Präsidenten Bruno Dreßler. Ihr Anliegen war es, eine „Büchergilde zu schaffen, die sich als große Kulturgemeinschaft in das Reich deutscher Arbeit und deutscher Kultur eingliedert“. So wurde sie zu einem Teil der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Der Geist der Büchergilde bestand im Exil fort, vor allem in Zürich wurde das Projekt fortgeführt und von dort Kritik an den Nationalsozialisten geübt. 1947 wagte die Büchergilde auf deutschem Boden einen Neuanfang in Frankfurt am Main.

"... Die Freiheit des Gedankens..."

Auszug aus der ersten Exilzeitschrift der Büchergilde in Zürich von Juni 1933.

Eingesprochener Text aus: Erste Exilzeitschrift der Büchergilde vom 1. Juni 1933, aus: Bücher, Bilder und Ideen. 75 Jahre Büchergilde, S.19.
Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933