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Aus dem Leben der Gewerkschafterin

Rosi (Rosa) Grätzer

Am 29. März 1933 wurde die jüdische Sozialistin und Gewerkschafterin Rosi Grätzer (geb. 1899 in Berlin, Sterbejahr und –ort unbekannt) in das SA-Gefängnis Papestraße verschleppt. Dort misshandelten die Nationalsozialisten sie, da sie als politische und „rassische" Gegnerin galt. Ein ärztliches Attest schildert die ihr zugefügte Gewalt: Ihr „wurden die Kopfhaare abrasiert, sie musste miterleben, wie ihre Kollegen mit Peitschen geschlagen und gequält wurden; sie wurde mit weiteren Demütigungen und Quälereien bedroht“.

Als jüdische Kaufmannstochter besuchte Rosi Grätzer nach einem kurzen Studium an einer Handelshochschule und Verwaltungsakademie ab 1925 die Wohlfahrtsschule in Berlin-Schöneberg, wo sie einen Abschluss als Wohlfahrtspflegerin erlangte. Sie trat schon sehr früh in der Gewerkschaftsbewegung hervor: Als 22-Jährige engagierte sie sich im freigewerkschaftlichen Zentralverband der Angestellten (ZdA) und war als Betriebsrätin im Landesarbeitsamt Brandenburg beschäftigt. Außerdem verfasste Rosi Grätzer Artikel für die „afa-Bundeszeitung“ (Organ des Allgemeinen freien Angestelltenbunds). Hier kritisierte sie die kapitalistische Wirtschaftsordnung von Grund auf.

"Die kapitalistische Wirtschaft macht den Menschen zu einem Spielball der Wirtschaftsmächte, der Wirtschaftstechnik und der Konjunkturen; sie entseelt den Menschen in seiner Arbeit."
Grätzer, Rosi: Was braucht der Erwerbslose Jugendliche, in: ebd., 8. Jahrgang (1926), Heft 9, S. 120 – 121, hier S. 121.

Nach den Quälereien durch die Nationalsozialisten entschied sich Rosi Grätzer 1934 für eine Emigration nach England, wo sie in der Londoner Landesgruppe der deutschen Gewerkschafter mitarbeitete. Ende der 1950er Jahre zog sie zunächst nach Italien und dann nach Frankreich zurück. Nach Deutschland kam sie nicht mehr.

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Archiv der sozialen Demokratie/Friedrich-Ebert-Stiftung

1929 erscheint in der AfA-Bundeszeitung der Artikel "Berufspolitik und Konjunkturforschung" von Rosi Grätzer.

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Archiv der sozialen Demokratie/Friedrich-Ebert-Stiftung

1929 erscheint in der AfA-Bundeszeitung der Artikel "Berufspolitik und Konjunkturforschung" von Rosi Grätzer.

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933