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Aus dem Leben des Gewerkschafters

Lothar Erdmann

Lothar Erdmann
(1924)
6/FOTA034526, Archiv der sozialen Demokratie/Friedrich-Ebert-Stiftung,
Rechteinhaber nicht ermittelbar

Lothar Erdmann (geb. 1888 in Breslau; gest. 1939 im KZ Sachsenhausen) verlor am 2. Mai 1933 seine Anstellung beim ADGB als Redakteur der Monatsschrift „Die Arbeit“.

Die aus seinem Tagebucheintrag hervorgehende ungewöhnliche Behandlung des Gewerkschafters, Journalisten und Familienvaters Lothar Erdmann am 2. Mai 1933 verdankte er vermutlich seinem drei Tage zuvor erschienenen Artikel „Nation, Gewerkschaften und Sozialisten“. Der Artikel war in der seit 1924 von ihm geleiteten gewerkschaftlichen Zeitung „Die Arbeit" erschienen. Der akademisch gebildete Lothar Erdmann näherte sich darin dem Nationalsozialismus an, indem er betonte, dass die Revolution der Gewerkschaften „zugleich national und sozialistisch" sei und forderte die Nationalsozialisten auf, die Gewerkschaften in den neuen Staat zu integrieren.

"Am 2. Mai um 10 wurde das Bundeshaus wie die übrigen Häuser der Gewerkschaften besetzt. Ein grosser Teil meiner Kollegen wurde verhaftet[...]. Ich war auch verhaftet, aber nur eine Stunde. Am 3. Mai vormittags wurde ich 'vorläufig außer Dienst gestellt'."
Nachträglich eingefügter Tagebucheintrag vom 20. Juni 1934, unter: Ilse Fischer, Versöhnung von Nation und Sozialismus? Lothar Erdmann (1888-1939), Auszüge aus den Tagebüchern, Archiv für Sozialgeschichte, Beiheft 23, Bonn 2004, S. 260

Sein Ziel war die Verbindung von Sozialismus und Nation – seine Haltung zum Nationalsozialismus, der die Nation in seinen Augen stärkte, war deshalb uneindeutig. Wenn er sich auch vom Terror gegen Andersdenkende, dem Antisemitismus und dem Rassenwahn der Nationalsozialisten abgrenzte, so bewunderte er doch ihre vermeintlichen Erfolge: „Die Grösse der Leistung Hitlers lässt keinen Raum für Kritik an dieser selbst." Doch Lothar Erdmann betonte auch, dass Deutschland nur bestehen könne, „wenn es vor dem höchsten Wert besteht, vor der Menschlichkeit." Als er 1939 unter denen war, die als „politisch weniger engagierte Bürger" in das KZ Sachsenhausen eingeliefert wurden, kostete ihn diese Hoffnung auf Menschlichkeit das Leben. Er schützte einen Mitgefangenen vor den Misshandlungen der SS-Aufseher und machte sich damit selbst zur Zielscheibe. Nach wochenlanger Folter verstarb er an inneren Verletzungen.

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Zerstörte Vielfalt DGB
02. Mai 1933